»Susan sagt …«

Lifestyle-Kolumne aus der Mitte des Lebens – von Susan Bäthge

Bunte Wiesenblumen und Kräuter am Vierwaldstättersee

Krach Bumm Peng

30. Juni 2020

Sein dürfen statt tun müssen //

Manche Frau muss ins Krankenhaus kommen, um sich endlich einmal fallen zu lassen. Dieses Gefühl, nichts tun zu müssen, sondern einfach nur sein zu dürfen. Nichts aufräumen, wegräumen, aufsaugen, weg sortieren. Nichts organisieren,

planen, lernen. Einfach atmen. Dem beruhigenden Prasseln des Sommerregens lauschen. Löcher in die Wand starren. Das zwitschernde Frühkonzert des Vogelorchesters genießen.

Voller Vorfreude auf die zubereitete erste Mahlzeit des Tages. Und den Besuch des attraktiven Arztes, der versprach, sich der Sorge der Patientin ernsthaft anzunehmen und eine Lösung zu finden für ein Thema, das anscheinend sehr viele Frauen betrifft: Dauerblutung aufgrund der hormonellen Dysbalance – mit anderen Worten: Östrogendominanz bzw. Progesteronmangel.

„So wie sich die Hormone in der Pubertät zunächst auf ihr neues Level einpendeln müssen, so wird auch der Hormonhaushalt in der Phase der Wechseljahre ordentlich durchgeschüttelt“, heißt es auf der Seite femna.de.

Irritierende Worte in einem völlig neuen herausfordernden Lebensabschnitt. Die Jugend schwindet. Die Haut wird trockner, die Haare grauer, das Gedächtnis schwächer. Da ist es, dieses fiese kleine Wort, das ich mir seit 53 Jahren nicht zugestehen will. Das in meinem eigenen Konstrukt aus ewiger Jugendlichkeit irgendwie keinen Raum bekommen hat. Und nun wie eine Rakete einschlägt.

Krach Bumm Peng, wie meine Mama immer zu sagen pflegte. Sie sind da, die Wechseljahre, und mit ihr eine unangenehme Begleiterscheinung namens Dauerblutung. Vier Wochen lang. Ein ständig fallender HB (Hämoglobin)-Wert, der bei mir 15 nie unterschritt, für eine Frau ungewöhnlich hoch!

Mittlerweile auf 10,5 abgefallen. Immer noch ok, sagt der doc, aber meine Kraft wird weniger, das spüre ich deutlich. Das Hämoglobin ist der rote Blutfarbstoff, der den roten Blutkörperchen ihre Farbe verleiht. Ist er zu niedrig, kann der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden und reagiert mit Müdigkeit, Schwäche oder Schwindel. Plötzlich eine völlig neue Situation. Ich fühle mich wie erschlagen, könnte nur schlafen, jeder Schritt ist zu viel.

(Unser Podcast dazu: „Körpercrash – was nun?“)

Ausgelöst wurde diese äußerst unangenehme heftige Blutung durch die extrem fordernde Einarbeitung in einen neuen Job: Monatelange Vorbereitung, stundenlange Schulungen, nächtelange Lern-Arien. Motiviert und angetrieben durch Versprechungen, monetäre Anreize, bewusst aufgebautes Vertrauen von Seiten des Auftraggebers. Acht Monate lang!

Und dann – eine Woche vor geplantem Auftakt – die Absage! Krach Bumm Peng. Alle Schleusen öffneten sich und es floss nur noch. All die Anspannung, der Hang zum Perfektionismus, das Festhalten, der Kontrollzwang fielen plötzlich ab. Nichts ging mehr. Meine weibliche Intuition lief dennoch auf Hochtouren – ausgerechnet nach der letzten sehr anstrengenden Schulung trug ich eine schwarze Hose (eine Seltenheit)! Und der Weg ins hauseigene WC misst zum Glück nur wenige Meter. Es musste gleich die Dusche sein – für Frau und Hose!

Diese Wechseljahre haben auch viel Gutes. Mein neues Mantra lautet: Endlich mal sein dürfen statt immer nur tun müssen. Raus aus dem Leistungsdruck, immer etwas erfüllen zu müssen, um gesehen zu werden. Auf dem Weg zu mehr Gelassenheit …

Susan Bäthge - Kolumnistin, Moderatorin, Autorin

Hier schreibe ich über das, was mich bewegt, was mir wichtig ist, was mich berührt. All das, was mir im Alltag als Frau, Autorin und Moderatorin begegnet.