»Susan sagt …«

Lifestyle-Kolumne aus der Mitte des Lebens – von Susan Bäthge

Gesundheit ist unser natürlicher Zustand

29. September 2020

Ent-schleu-ni-gung heißt das Zauberwort//

Auf einer Führungskräftetagung mit Orchesterbegleitung beobachte ich die Assistentin der Geschäftsleitung, wie sie kleine Plastiktütchen auf den Sitzen verteilt. „Was ist das?“ frage ich. „Ohrstöpsel für die Herren. Alle haben einen Tinnitus und die Musik wäre zu laut!“ Sie gehen in ein Konzertevent, um dann die Ohren vor der Musik zu schützen? Jeder einzelne der Topmanager leidet unter diesem fiesen Ohrensausen, das für mich zweimal unter Extremstress ein paar Sekunden auftauchte und zum Glück wieder verschwand.

Ich begrüße die Manager und lausche, wie sie sich gegenseitig übertreffen, Wettstreit statt Nachdenklichkeit: „Was? Sie hatten nur ein Burn Out? Ich habe meinen dritten, in Folge!“ Der Mann lacht. Fehlt nur noch das Hämmern auf die Brust: Ich bin besser, stärker, toller.

Es bleibt der Eindruck, dass es wichtiger ist, noch erfolgreicher zu sein und das Hamsterrad weiter zu drehen als diese schrecklichen Geräusche im Kopf loszuwerden. Man lebt eben damit. Die anderen leiden ja genau so.

Je höher der Lebensstandard, umso größer die Belastung. Krankheit scheint der natürliche Zustand vieler. Doch was bringt all der Reichtum, die Statussymbole, der Jobtitel, wenn das gar nicht gesund gelebt werden kann? Ich kenne einige sehr reiche Menschen, die ihr vieles Geld nicht genießen können, geplagt durch dauerhafte Rückenschmerzen, Diabetes, Arthrose. Oder eben Tinnitus.

„Auch die mit ganz wenig Verdienst haben Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Magenweh“, schreibt eine Herzensfreundin. Hmmm – aber entscheidet nicht jeder tagtäglich über sein Wohlbefinden?! Das Drehbuch deines Lebens schreibt niemand sonst. Wenn wir nicht für uns sorgen – wer soll es dann tun? Darüber haben wir auch in einer Podcastfolge gesprochen: ES MUSS EINFACH RAUS!

Während ich die Kolumne schreibe, liege ich flach. Magenverstimmung. Passiert äußerst selten. Ein klares Zeichen auch mal wieder kürzer zu treten. Raus aus der rasanten Schlagzahl, meiner Schnelligkeit. Termine verschieben, Tempo drosseln, Tag entschleunigen – daheim im Bett. Mit Wärmflasche, Daunendecke und Lieblingsbuch. Raus mit dem (selbst auferlegten) Druck, immer perfekt funktionieren zu müssen. Rein in die Stille in mir selbst. Wonach sehnt sich mein Körper? Nach Ruhe. Müßiggang. Innenschau. Universelle Ruhigstellung!

Ich höre schon die Kritiker: „Ja, DU kannst das ja auch, du bist Freiberufler!“ Festangestellte werden also zur Skalverei verpflichtet, wenn sie sich nicht wohl fühlen? Dabei ist man doch dann nur halb so leistungsfähig.

Corona ist unser aller Lehrmeister

Ich frage mich, warum sie nicht besser auf sich achten. Mal einen Gang zurückschalten statt durchzupowern. Corona ist unser aller wunderbarer Lehrmeister. Es gibt unzählige Virologen, die sich gegenseitig übertreffen mit neuesten Erkenntnissen, aber selten höre ich jemanden sagen:
Stärkt euer Immunsystem! Geht raus in die Natur! Atmet tief ein! Und aus! Genießt den farbenfrohen Herbst! Bewegt euch! Kurbelt euer Herz-Kreislauf-System an! Esst nicht zu viel Fleisch! Und hört auf zu rauchen, damit eure Lungen nicht noch mehr geschädigt werden (hier schreibt eine strikte Nichtraucherin, die ihre Mutter an der Zigarettensucht verloren hat)!

Ohne Gesundheit sind die schönsten Ferien, das tollste Haus, das neueste Auto nichts. Und Alltagsstress lässt sich nicht einfach so im Flieger nach Thailand ausknipsen. Der als „schönste Zeit des Jahres“ prophezeite Urlaub ist keine Yogaübung, die man einatmen kann. Viele werden krank, weil zwei Wochen Erholung keine fünf Monate Stress ausgleichen können!

Die Hetze nach dem ach-so-schönen-Leben wird zur sicheren Talfahrt in die Krankheit.

In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist – der römische Dichter Juvenal hat vor 2000 Jahren diesen klugen Satz in die Welt gesetzt. Wenn wir also unseren Geist heilen, dann wird auch der Körper wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt.

Fangen wir an. Denn das Leben ist jetzt!

Mein Lieblingswort seit vielen Jahren heißt Entschleunigung! Mehr Ruhe und Achtsamkeit im Alltag. Wieder das richtige Maß finden. Und sich bewusst machen, dass Gesundheit unser natürlicher Zustand ist! Unser modernes Leben hat uns leider von diesem entfernt.

Ich krabbele zurück unter meine Decke…

Susan Bäthge - Kolumnistin, Moderatorin, Autorin

Hier schreibe ich über das, was mich bewegt, was mir wichtig ist, was mich berührt. All das, was mir im Alltag als Frau, Autorin und Moderatorin begegnet.